Ahamkara, das Ich-Bewusstsein, der Ego-Verstand oder warum die Selbstreflektion ein wichtiger Teil unserer Evolution ist

Vollmond und Mondfinsternis im Fisch 17. 09. 2016

Der heutige Vollmond steht im Fisch und das ganze Licht der reflektierenden Sonne scheint klar und konzentriert, wie ein Vergrösserungsglass, auf unser Unterbewusstsein und deckt somit alle ungelösten Programme in uns auf, um zu prüfen wie weit wir tatsächlich sind und wie ehrlich wir mit uns verwurzelt sind, oder nicht. Dieser Prozess ist eine klare Bestandsaufnahme die sagt „Wo stehe ich jetzt“ – und zwar mit mir selbst, in Verbindung zu meinem höheren Selbst. Es fragt uns ganz klar, „Lasse ich mich umwerfen, oder bleibe ich stark wie ein Baum bei mir verwurzelt?“

Ahamkara (Sanskrit: अहंकार, ahaṃkāra, seltener auch ahaṅkāra) ist ein Sanskrit-Ausdruck, der sich in der hinduistischen Philosophie auf das Ich-Bewusstsein oder die Ich-Funktion bezieht. Der Begriff besteht aus den Bestandteilen ahaṃ („ich“) und kāra („machend“, von der Wurzel kṛ, „tun“).

Der Ego-Verstand, Ich-Macher oder das Ich-Bewusstsein der Menschheit scheint jetzt einen heftigen Kampf um die Vormachtstellung zu durchleben, denn beim Kampf des Ego-Verstandes gegen und miteinander, geht es immer um Gewinnen oder Verlieren, Macht oder Schwäche, Kontrolle oder Verlust und selten um die wahre und tiefe, authentische Liebe.

„Es geht jetzt um die Verbindung des kleinen ich’s (Ego-Verstand, Ich-Bewusstsein) mit dem Höheren und Wahren Selbst (Seele, Geist), so dass wir endlich bei und in uns ankommen können.“

Dieser Vollmond und Vollmondfinsternis steht für das Ankommen bei und in uns jenseits unseres Ego-Verstandes oder Ich-Bewusstseins. Denn das, was wir im konditionierten Denken und Fühlen unter Ankommen verstehen oder erträumen, ist das wir z. B. bei unserem Seelenpartner ankommen, wir in unserem Traumhaus einziehen, am Ort unserer Wünsche und Träume ankommen, oder den richtigen Beruf erleben. Wir haben alle mehr oder weniger seit unserer Kindheit sehnsüchtig daran gearbeitet unsere Wünsche und Träume in die Zukunft zu projezieren und ein Mancher musste unterwegs seinen Wunsch oder Traum aufgeben, weil es einfach nicht so sein sollte oder sogar die richtige Energie dazu fehlte.

Mit Ankommen meine ich das wir jenseits unseres Ego-Verstandes oder Ich-Bewusstseins, das die äußere Welt von uns erhofft oder unser Ich-Macher für unser Selbst-Image erwünscht, ankommen sollten. Ankommen bedeutet immer das wahre authentische Ankommen in dir und mit dir selbst, so dass das äußere Leben sich danach ausrichten kann und die Folgeerscheinung dabei ist das deine innere Einstellung und Schwingung, die nach außen strahlt, das zu dir bringt, was du dir von Herzen oder aus der Tiefe deiner Seele wünschst. Denn es ist nicht die harte Arbeit, der ständige Fleiß oder der intensive Aufwand der darüber entscheidet was wir bekommen sollten oder verdienen.

„Es ist nur das Wissen, wie sehr wir mit unserem Wahren und Höheren Selbst verwurzelt sind aus dem wir unsere Wünsche und Träume in das Universum schicken, das wichtig ist“.

Dazu müssen wir unseren Ego-Verstand oder Ich-Bewusstsein etwas genauer betrachten, da es jegliche Lebenssituation für unser Überleben bewertet und kategorisiert. Ich schreibe diesen Artikel da ich seit einiger Zeit beobachte, wie der Ego-Verstand durch die Medien und hauptsächlich durch das Internet (Blogs, Selfie’s etc. auf Facebook oder Twitter) seinen Standpunkt immer wieder deklarieren muss und deshalb der Ruf des Ego-Verstandes, meiner Ansicht nach, durch unseren selbstbestimmenden Ich-Macher entweder als zu aufgeblasen und wichtigtuerisch dargestellt wird oder als etwas, das wir am besten nicht mehr einsetzten oder sogar ab oder einstellen sollten.

Der Ego-Verstand, der in jeder Situation zu sich selbst sagt „Mag ich was ich höre, fühle, sehe, schmecke oder rieche oder mag ich es nicht“ verdient es durch die Yoga Philosophie neu betrachtet zu werden, denn gerade diese bewusste Aufmerksamkeit uns selbst und unserer Umwelt gegenüber, macht den Ego-Verstand für unser Über-Leben und Ankommen so wichtig.

Dafür müssen wir 100 000 Jahre in unserer Entwicklungsgeschichte zurück gehen, als der Neocortex sich in der Stammesgeschichte der Säugetiere durch die fünf lebenswichtigen Sinnesorgane (Nase, Zunge, Augen, Haut und Ohren) entwickelt hat. Bei der Entwicklung aller Pflanzen und Tiere, geht es nicht nur darum so gut wie möglich zu überleben, sondern sich dabei immer weiter zu entwickeln. Dabei werden Tarnungen wie Nadeln, Gifte und noch vieles mehr eingesetzt um sich gegen den Feind zu schützen und gibt uns den klaren Hinweis dafür das in allem eine höhere Intelligenz oder Bewusstsein vorhanden ist.

Die Vielschichtigkeit unseres Gehirns wird sehr klar durch das Samkhya Philosophie System erklärt. Samkhya – Sanskrit, bedeutet Zahl oder das Aufzählen des Meisters und war vor tausenden von Jahren die einzige Möglichkeit das angesammelte spirituelle Wissen weiter zu vermitteln. Im Zentrum der Philosophie des Samkhya steht die Darstellung der „25 Wirklichkeiten“ und die damit verbundene Lehre von Evolution und Involution. Die Samkhya-Philosophie ist die wahrscheinlich älteste Quelle spirituellen Wissens, die sich nicht auf Legenden, Mythen und einer religiösen Gottesvorstellung stützt. Sie gründet sich auf die Realität und geht davon aus, die Wirklichkeit durch Beobachtung und Wahrnehmung zu erfassen. Das Weltgeschehen im Samkhya ist in dem Dualismus verwurzelt und wird auf zwei fundamentale Prinzipien zurückgeführt:

  1. Der männliche, passive und bewusste Geist (Purusha)
  2. Die weibliche, aktive und unbewusste „Urmaterie“ oder „Natur“ (Prakriti)

Diese besagt das aus der Urmaterie (Mulaprakriti) die kosmische Intelligenz oder höhere Vernunft (Mahat oder Buddhi) entspringt und daraus das Ich-Bewusstsein, der Ich-Macher oder der Ego-Verstand (Ahamkara) entstanden ist.

Das Ich-Bewusstsein ist seinerseits der Ursprung des Denkvermögens (Manas), aus dem die zehn Sinnesorgane (Indriyani) entstehen. Diese zehn Sinnesorgane umfassen die fünf Erkenntnisvermögen, riechen, schmecken, sehen, fühlen und hören (Buddhindriyani) und die fünf Tatvermögen Anus, Geschlechtsorgane, Füße, Hände und Mund (Karmendriyani).

Aus den Sinnesorganen gehen die fünf feinstofflichen Elemente Geruch, Geschmack, Gestalt, Berührung und Ton (Tanmatras) und die fünf grobstofflichen Elemente Raum, Luft, Feuer, Wasser, Erde (Mahabhutani) hervor. Insgesamt sind dies, zusammen mit Purusha, die „25 Wirklichkeiten (Tattvas).

Ob wir unsere Umgebung er-riechen, er-schmecken, er-sehen, er-fühlen oder er-hören können und sie dadurch bewusster wahrnehmen, die Signale aus den fünf Sinnesorganen landen immer im Neocortex und lassen uns sofort wissen ob akute Lebensgefahr besteht oder nicht. Deshalb ist der Ego-Verstand meines Erachtens unglaublich wichtig in unserem Prozess der Entwicklung und Evolution, da es genau zwischen der kosmischen Intelligenz oder höheren Vernuft und dem Denkvermögen oder der Gehirnmasse liegt und uns in jeder Sekunde vermittelt was genau in unserem Umfeld geschieht und wir somit die richtigen Entscheidungen für unser Überleben treffen können.

Durch die fünf Sinne kann der Ego-Verstand uns mitteilen „Ich rieche das Feuer, oder ich sehe den Feind mit einer Waffe auf mich zu kommen.“ Ohne diesen Ego-Verstand oder das Ich-Bewusstsein, das sich weiter entwickelt hat und nun ganz genau differenziert wer in der Gruppe besser riechen oder sehen kann, brachte in dieser Hinsicht unsere Berufung oder unsere wahre Kreativität in den Vordergrund. Die Entwicklung des Neocortex ist deshalb auch zuständig für die Sprache, Poesie, Tanz, Musik und Kunst und deshalb ein weiterer wichtiger Bestandteil, dass der Ego-Verstand wichtig ist in unserer Entwicklung.

Gut, aber wieso wird das Ego in den meisten Berichten als etwas schlechtes oder sogar negatives dargestellt?

Da alles in unserem Universum das wir riechen, schmecken, sehen, fühlen und hören können generell der Dualität oder Polarität untergeordnet ist, lernte oder bestimmte auch der Ego-Verstand was es mag oder nicht. Jeden Tag sind unsere fünf Sinne fleissig dabei uns zu vermitteln was gut oder schlecht für uns ist. Dabei ist z.B. eine Blume ganz einfach eine Blume und muss von unserem Ego-Verstand nicht als schön oder hässlich bewertet werden, doch ein Feind oder ein giftiger Pilz wurde sehr klar als lebenswichtige Information bewertet und kategoriesiert.

Und jetzt komm ich zu dem springenden Punkt, der höhere Intellekt oder (Buddhi), der immer mit den höheren Kosmischen Wahrheiten und Gesetzmässigkeiten verbunden ist, steht genau über dem Ego-Verstand (Ahamkara) und spürt das die Blume oder der Pilz ein Teil unseres höheren Selbst ist und weiss durch den sechsten Sinn oder die Intuition, das wir sie nie bewerten oder kategorisieren sollten oder müssten. Das Ego, wenn es richtig verstanden wird, ist dazu da uns mitzuteilen das die Blume nicht lebensgefährlich ist, der Pilz aber schon und die Evolution uns die Wahl oder der freie Wille gibt zu sagen, „Ich finde die Blume schön oder nicht“ und hebt uns gleichzeitig von den anderen ab, die sie nicht schön finden. Das heißt, das mein Ego-Verstand in jeder Sekunde die Umgebung bewertet und wir durch unsere Bewertung oder Meinung ein Individuum werden und wir uns von den anderen Abheben. Und genau dieses Abheben von den anderen ist was das Ego so gut kann und er-lernte im Laufe der Jahrtausende das unsere Meinung wichtiger oder bessser sind als die der anderen und fing an sich immer mehr mit seinem Standpunkt und Meinung zu identifizieren, anstatt mit seinem höheren Selbst.

Das heißt, wir müssen oder sollten wieder lernen innezuhalten und unsere Umgebung durch die Sinne neu zu beobachten und wir täglich Millionen von Informationen zugeschickt bekommen und wir die Wahl haben, entweder darauf zu reagieren oder durch gezielten Sinnesrückzug (Pratyahara), Konzentration (Dharana) und dann durch aktive Meditation (Dhyana) in den Moment einzutauchen. Denn dann erst entdecken wir den wunderbaren Ego-Verstand (Ahamkara) wie er uns immer wieder dabei hilft jegliche Situation in unserem Leben klar anzuschauen um es gezielt einzusetzen und uns zurück bringt zu unserem Wahren und Höheren Selbst, so das wir endlich in uns ankommen können wo die Blume einfach eine Blume sein darf und der Wunsch oder Traum der ganz klar in der Tiefe unserer Seele entsteht, bei uns ankommen kann.

Deshalb ist es wichtig unseren Ego-Verstand neu anzuschauen und wie ein Kind das riechen, schmecken, sehen, fühlen und hören neu zu entdecken. Denn dadurch dürfen wir Zeuge unserer eigenen Evolution und Involution sein.

 

Licht & Liebe

Sabina Stahl

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